Ev.-luth. Kirchengemeinden Hedemünden-Oberode und Wiershausen-Lippoldshausen

Stiftung

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Die Stiftung „Geistliches Stipendium Hedemünden“ wird 500 Jahre alt

Hedemünden. Es gibt viele Stiftungen landauf, landab und weitere werden gegründet. In Hedemünden hat eine Stiftung aus dem Beginn der Reformationszeit 500 Jahre überlebt. Das „Geistliches Stipendium Hedemünden“ erreicht an diesem Sonntag, 3. Mai, dieses Jubiläum. Ganze Epochen hat sie überstanden, Kriege und Neuanfänge überlebt und wurde immer wieder so reformiert, dass ihr Sinn bestehen blieb. Ihr drohte auch manches Mal die Auflösung, weil man den Grundstock der Stiftung gern für ganz andere Dinge verwendet hätte. Dieser Grundstock bestand vor allem in Ländereien. Wäre es nur Kapital gewesen, wäre die Stiftung sicher irgendwann verloren gegangen. Aber nun gibt es sie noch und die evangelische Gemeinde Hedemünden, der diese Stiftung anvertraut ist, freut sich daran. Denn bis heute unterstützt das Stiftungsgeld in einem bescheidenen Rahmen die Verkündigungsarbeit.  

Es war das Jahr 1520, als drei Bürger des Ortes Hedemünden zu Stiftern wurden. Einer davon war der Priester Mattias Meyer. Das war nicht der hiesige Ortspriester, aber ein „Hedemündener Kind“, das im Bistum Mainz lebte. Der andere war sein Bruder, Lamprecht Meyer. Beide hatten in und um Hedemünden Grundbesitz und beträchtliches Vermögen. Der Dritte im Bunde war ein Mann, der in der Stiftungsurkunde „der lange Henrick“ genannt wurde. Diese drei hatten den Wunsch: Es möge die Gnade Gottes gepriesen sein auf ewig! Das stellten sie sich so vor, dass zusätzlich zu den normalen Gottesdiensten drei wöchentliche Messen zur Ehre Gottes mehr gelesen werden sollten, eine für Maria, eine für die Heilige Anna, und die dritte für alle christgläubigen Seelen. Hier fügten sie in der Stiftungsurkunde an: „und insbesondere für die Verstorbenen aus unserm Geschlechte, für unsere, unserer Eltern, Verwandten, Wohltäter und Freunde Seelen.“ Sie erhofften sich Gnade bei Gott für sich und ihre Vorfahren und Nachfahren. Vielleicht erhofften sie sich auch ein bleibendes Gedächtnis im Ort Hedemünden. 

In der Stiftungsurkunde (siehe Bild) erklären sie es so: „Nachdem wir zu Sinn und zu Herzen genommen haben …, dass die göttliche Güte, Wohltat und Gnade, durch welche wir geschaffen sind, … alle Güter der Welt übersteigen…., so haben wir doch aus obengedachter göttlicher Gnade so viel Einsicht, dass wir uns schuldig und verpflichtet fühlen, Ehr, Preis und Lob dem allmächtigen Gotte zu erweisen und zu sagen.“  Man wird ihnen nicht absprechen können, dass sie es ehrlich mit ihrer Dankbarkeit gegenüber Gott meinten. Sie antworteten auf Gottes Güte mit einer Tat, nämlich mit einer Spende in Form einer Stiftung. Sie stellten ihr Pachtgeld und Vermögen in die Stiftung ein, so dass ein zweiter Priester an der Hedemündener Kirche (siehe Bild) dienen und die Messen lesen konnte. So geschah es auch. Statt fünf wurden nun acht Messen wöchentlich gelesen und Hedemünden hatte einige Zeit lang zwei Priester. „Ewig“ sollte diese üppige Ausstattung bestehen bleiben, so wollten es die Stifter. 

„Ewig“ blieb in diesem Fall aber nur eine recht kurze Zeitspanne, denn die Reformation stand vor der Tür. Martin Luther war ein Zeitgenosse unserer drei Stifter, also von Mathias Meyer, Lamprecht Meyer und dem langen Henrick. Als diese die Stiftung 1520 gründeten, lag der Thesenanschlag von Martin Luther bereits drei Jahre zurück. Luther hatte schon lautstark alle Messen in lateinischer Sprache, deren Sinn selbst die Priester oft nicht entschlüsseln konnten, als Winkelmessen angeprangert. Aber davon hatte man bis dato in Hedemünden nichts erfahren. Die Reformation breitete sich erst später bis hierher aus. Die drei Stifter von Hedemünden konnten sich wohl keine andere Weise vorstellen, Gott zu ehren, als mit Messen, die der religiösen Pflicht Genüge taten. 

Mit den ersten evangelischen Pastoren in Hedemünden änderte sich die Handhabung der Stiftung. Man wollte nur noch den Gottesdienst mit einer soliden Predigt in deutscher Sprache. Die Stiftung sollte jetzt helfen, Hedemündener Kinder zu Predigern auszubilden; sie nannte sich jetzt „Geistliches Stipendium“. 

Gottesdienste zur Ehre Gottes – wie die Stifter sich das erhofften - gab es und gibt es bis heute, so gut Menschen es vermögen. Der Ertrag der Stiftung wird heute von der Kirchengemeinde zur Unterstützung des Verkündigungsdienstes verwendet. So konnten zum Beispiel eine Theologiestudentin und ein Kirchenmusiker vor einigen Jahren gefördert werden. Auch für Diakone und andere kirchliche Berufe käme Förderung infrage. 

Das Vermögen ist im letzten Jahrhundert sehr zusammengeschmolzen: Das Barvermögen der Stiftung wurde in der Zeit der Hyperinflation nach dem Ersten Weltkrieg wertlos; Ländereien sind – zum Beispiel beim Bau der Autobahn - verloren gegangen. Was übriggeblieben ist, konnte gut verwaltet und durch Spenden aufgestockt werden. Der Stiftungsvorstand Hedemünden (gleich Kirchenvorstand) kann heute aus den Erträgen der Stiftung die eigene Gemeindearbeit fördern, vorzugsweise die Jugendarbeit und die Kirchenmusik. Die Stiftung lebt also! Das ist aller Dank an die Stiftungsgründer wert! 

Gerne hätte die evangelische Kirchengemeinde Hedemünden am morgigen 3. Mai einen festlichen Gottesdienst zum 500-jährigen Bestehen der Stiftung gefeiert. Aber diesen musste sie wegen der Corona-Beschränkungen absagen. Anstelle dessen wird die amtierende Pastorin von Hedemünden, Gunda Hansen, einen Video-Gottesdienst ins Netz stellen, den alle, die daran Freude haben, mitfeiern können. Sie finden ihn unter https://kirche-hedemuenden.wir-e.de/aktuelles  Pastorin Gunda Hansen

Die Stiftungsurkunde

Quelle: Foto Gunda Hansen